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Schilchernhof-Distanz in Dietmannsried (GER), 08.-10.04.2016
Text: Jenny Commons

Wo soll ich bloss mit erzählen beginnen? Es war ein wahnsinns Wochenende voller Emotionen, Eindrücke und ganz viel Spass und Stolz!

Aber für diese Geschichte muss ich etwas früher beginnen:

Im Dezember 2015 stürzte ich mit Delia im Gelände und holte mir eine Hirnerschütterung und Probleme im Nacken. Delia blieb unverletzt. Alles war gut am heilen, als es dann Mitte März blöd lief und ich erneut von einem Pferd stürzte und dann für zwei Nächte im Spital bleiben musste, wegen diversen Erinnerungslücken. Meinem Hirn / Kopf ging es sonst gut, aber der Nacken machte Probleme und der linke Daumen war gestaucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits alle Gelder für Zoll, Nennung etc. bezahlt und überlegte hin und her, ob ein Start 3 ½ Wochen nach dem Unfall sinnvoll ist oder nicht. Während ich nicht Reiten konnte, hat Stella Vicomte für mich geritten, damit er im Training bleibt und nicht zu übermütig wird. Kaum hatte ich vom Arzt das „OK“ wieder zu reiten, habe ich das Training selber wieder aufgenommen und alles verlief soweit okay. Wenige Tage vor dem Ritt entschied ich mich für einen Start, stellte aber meine Erwartungen an Quali (Tempo mind. 12 km/h) etc. zurück um mir den Druck zu nehmen – vor allem wenn ein schnelleres Reiten auf Grund von Schmerzen meinerseits nicht möglich sein sollte…


Am Freitagmorgen fuhren Groom Stella und ich mit Vicomte in Richtung Norden, mit einem voll bepacktem Auto und mit viel Vorfreude. Am Zoll in Au/Lustenau verlief alles einwandfrei und wir konnten locker weiterfahren bis nach Dietmannsried im schönen Oberallgäu. Nach etwas mehr als vier Stunden hatten wir den Schilchernhof erreicht. Während ich dort Vicomte an der Hand Heu und Gras fressen liess, stellte Stella fachmännisch ein Paddock auf. Meine Nerven waren schon etwas angespannt, als wir Vicomte das erste Mal alleine im Paddock (natürlich mit Strom drauf) stehen liessen um das Turniergelände zu erkunden. Bei unserer Rückkehr wieherte er mir schon freudig entgegen und widmete sich dann wieder seinem Heu. Es herrschte viel Aufregung, viele Teilnehmer reisten an, stellten Paddocks auf und fuhren mit den Autos hin und her. Etwas später wurde Vicomte ausgiebig geputzt und geführt, damit wir ihn in der Vorkontrolle präsentieren konnten. Mit einem 40er Puls imponierte er. Beim Vortraben mit Stella wollte Vicomte seiner Aufregung etwas Luft machen und die zwei mussten ein zweites Mal vortraben, da Vicomte beim ersten Mal eher Luftsprünge nahm, als zu traben. Aber auch da war alles okay und wir erhielten die Startfreigabe für Samstag.

Stella und ich schliefen im Anhänger direkt neben Vicomte’s Paddock und dies bei rund 2 Grad. Wir waren warm eingepackt, aber der Boden war trotz Mätteli sehr unbequem. Ich wälzte mich die ganze Nacht hin und her und lauschte, was Vicomte draussen machte. Plötzlich hörte ich DAS Geräusch, welches man mitten in der Nacht beim Campieren nicht hören möchte. Galoppierende Pferde! Ich sprang auf und leuchtete mit der Stirnlampe nach draussen, wo Vicomte in seinem Paddock Pirouetten drehte. Unsere Nachbarin kam ebenfalls gerade aus dem Anhänger gekrochen und fragte mich, ob ich ES auch gehört hätte. Zusammen mit Stella und zwei unserer Nachbarn machten wir uns also auf den Weg alle Paddocks abzusuchen und festzustellen, wie viele Pferde fehlten. Drei Pferde. Wenige Minuten später konnten zwei zusammengehörende Pferde in der Reithalle eingesperrt werden und das dritte Pferd, eine Stute, fanden wir dann beim Paddock eines Hengstes wieder. Da der Hengst bereits den Eindruck machte, gerne über den Zaun seines Paddocks zu kommen, haben wir die Stute mit hüpfen und lärmen weg scheuchen können und die Besitzerin konnte sie wieder in Empfang nehmen. Uff, was für eine Aufregung! Alle Pferde waren unverletzt und endlich kehrte wieder Ruhe ein. Auch Vicomte konnte wieder herunterfahren und bekam von mir nochmals Heu zur Ablenkung.

Viel zu schnell war es dann wieder Zeit zum Aufstehen und es war kalt! Um 08.20 Uhr war unser Start und es lag viel Nervosität in der Luft, als ich um 8 Uhr in den Sattel stieg. Vicomte war voll bereit und wollte nicht mehr still stehen – er wusste genau, dass es bald losgehen würde. Also verbrachten wir das Warmreiten mit Hüpfer und viel „hoooo, ruuuuuhig“ meinerseits. Punkt 08.20 Uhr startete ich hinter einer zweiten Reiterin auf die ersten 29 Kilometer. Vicomte zerrte fleissig am Zügel, liess sich aber ziemlich gut im Tempo regulieren und ich liess die andere Reiterin ziehen, da ich zuerst etwas Ruhe reinbringen wollte. Nach kurzer Zeit konnte ich bereits die Zügel etwas lockern und wir fanden ein angenehmes Tempo.

Die Strecke erwies sich als sehr anspruchsvoll und musste mit Köpfchen geritten werden. In der Ausschreibung stand, dass 1644 Höhenmeter zu absolvieren seien (822m hoch und 822m wieder runter). Nach rund 9 ½ Kilometern kam dann die Überraschung: quer über den Weg waren diverse Bäume gefällt. Offenbar hat ein Waldarbeiter am Morgen fleissig Bäume gefällt und erst dann mitbekommen, dass der Distanzritt dort durchführt. Nach reiflicher Überlegung stieg ich ab und suchte zu Fuss mit Vicomte an der Hand einen Umweg durch den Wald. Wir mussten klettern, durch matschigen Boden, einen Aufsprung hoch, über Wurzeln und Baumstämme, bevor wir wieder auf den Weg kamen. Wir verloren dort rund eine Viertelstunde. Nur wenige hundert Meter später kam der erste Groompoint. Vicomte wollte noch nichts vom Trinken wissen und kühlen musste man nicht – es war immer noch kalt! Also ging es weiter. Unterwegs merkte ich meine Unfallverletzung im Nacken immer mehr und mit der Zeit wurde es so störend, dass ich Stella mitteilte, dass sie mir eine Schmerz-Tablette (natürlich Dopingfrei) bereitmachen soll. Bei Kilometer 19 war dann der Checkpoint. D.h. absteigen, warten bis der Puls bei 64 ist, kurz vortraben und dann wieder los. Der Puls war schnell unten und Stella trabte Vicomte vor und innerhalb wenigen Minuten konnten wir weiter. Auf der zweiten Hälfte des Rittes begann die Tablette zu wirken und mir ging es zunehmend besser. Nach 29 Kilometer waren wir zurück auf dem Schilchernhof im Vet-Gate und Vicomte’s Puls war innerhalb von 3 Minuten bei 64 Schlägen. Leider gab es beim Vet einen grossen Stau von Teilnehmern und wir verloren mit der Warterei 27 Minuten unserer 40 Minuten Pause. Im Vet verlief alles gut und wir nutzten die verbleibenden 13 Minuten um Vicomte zu putzen, füttern, tränken und dann schon wieder zu satteln.

Die zweite Runde, 12 Kilometer, nahm ich alleine in Angriff. Für Vicomte war es der erste Ritt mit mehr als einer Schlaufe und die nahm er voller Elan in Angriff – und wie! Die ganze zweite Runde war er immer nach vorne orientiert, zog frisch fröhlich und hatte die Ohren immer gespitzt. Überholt werden oder andere überholen erwies sich als absolut problemlos. Nach einer Stunde waren wir bereits wieder auf dem Schilchernhof zurück. Wieder war Vicomte’s Puls innerhalb von wenigen Minuten auf 64. Die vielen anstrengenden Höhenmeter waren ihm nicht anzusehen!

Zwei Stunden nach dem Pulsen war dann die Nachuntersuchung. Vicomte wurde von Stella nochmals getrabt und von der Veterinärin untersucht. Alles einwandfrei! Freudig erhielten wir die Nachricht, dass wir den 41 Kilometer Ritt erfolgreich bestanden hatten! Was für eine Freude!

Nach der Nachuntersuchung hatte Vicomte kalt und wir hatten viel Mühe ihn bei diesem Wetter warm zu halten. Da viele Teilnehmer am Samstag wieder abreisten wurde auf dem Schilchernhof eine Box frei für Vicomte. Dort hatte er auch nicht mehr kalt und hatte Ruhe um sich zu erholen. Wir gönnten uns eine riesige Pizza in Begleitung von einigen Teilnehmern und den Veranstaltern in der nahe gelegenen Pizzeria. Und da auch Zimmer frei wurden, konnten wir sogar in einem warmen Bett schlafen! :-)

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntagmorgen machten wir uns auf die Heimfahrt, welche auch einwandfrei verlief (bei wunderschönem warmen Wetter und fast 20 Grad! HALLO?!).

Mit einem Tempo von 10.42 km/h wurden wir auf dem 11. Rang klassiert. Es waren 17 gestartet und 14 wurden klassiert. Ich freue mich sehr über dieses Resultat, vor allem da die Vorbereitungen alles andere als Optimal waren (Unfall etc.). Vicomte hat sich super verhalten und war immer sehr motiviert dabei, obwohl wir fast die ganze Strecke alleine unterwegs waren. Es machte unheimlich viel Freude diese schöne, anspruchsvolle Strecke zu reiten! Ich bedanke mich bei Stella für ihren super Groom-Einsatz und bei Sybille Markert-Baeumer und ihrem ganzen Team für den toll organisierten Ritt und die Gastfreundschaft. Der Ritt war sehr familiär und freundlich organisiert und wir werden nächstes Jahr gerne wieder kommen!



 

 
 

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